Gewagt… und gewonnen: Special-Olympics-Athlet im Praktikum bei ABB

Bei den Nationalen Spielen in Kiel 2018 holte Philipp Russ Gold. Im April dieses Jahres tauschte er aber Schwimmbecken gegen Büro und machte für drei Wochen ein Praktikum beim ABB-Konzernbetriebsrat.

Der 18-jährige Mannheimer war während eines berufsorientierten Praktikums im ABB-Konzernbetriebsrats-Büro im Einsatz. Betreut wurde er in dieser Zeit von Martina Möller. Für sie war Philipp nicht der erste Praktikant, den sie betreute, aber ein ganz besonderer. Philipp hat eine geistige Behinderung und benötigte daher eine andere Art von Unterstützung als andere Schülerpraktikanten. „Mir hat es riesig Spaß gemacht, für Philipp da zu sein“, freut sich die Assistentin des Konzernbetriebsrates. „Wenn Philipp morgens ins Büro kam, herrschte gleich gute Stimmung. Er ist ein wirklicher Sonnenschein.“ Der Kontakt und die Zusammenarbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung war für Martina Möller nicht neu. Bereits 15 Mal war sie als freiwillige Helferin bei Nationalen Spielen von Special Olympics für ABB im Einsatz. „Menschen mit geistiger Behinderung können einen sehr wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten, auch im Berufsleben“, ist Möller überzeugt.

Sehr konzentriert bei der Arbeit – Philipp Russ und Martina Möller.
Sehr konzentriert bei der Arbeit – Philipp Russ und Martina Möller.

Deshalb war es für die Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Schiermeier nach anfänglichem Zögern auch keine Frage, dass Philipp für drei Wochen Teil des Teams wird. „Die erste Anfrage erhielt ich während des Neujahrsempfangs der Lebenshilfe Mannheim am ABB-Standort in Mannheim“, erzählt Schiermeier. Danach fand sowohl ein Gespräch mit Philipp und seinen Eltern als auch mit seinem Lehrer statt, um zu besprechen, welcher Einsatz möglich ist und welche Tätigkeiten der Schüler der Justus-von-Liebig-Schule ausüben kann.

Teil des Praktikums war es für Philipp auch eine ordentliche Bewerbung mit Lebenslauf abzugeben. Ein weiterer Aspekt des Praktikums war neben der eigentlichen Arbeit das Trainieren selbstständigen Lebens und Arbeitens: So übte Philipp bereits vor Antritt des Praktikums alleine mit der Bahn zu ABB zu kommen. „Deshalb spielen Praktika bei der Integration von behinderten Menschen ins Arbeitsleben eine wichtige Rolle. Zum einen lernen die Menschen mit geistiger Behinderung mehr Selbstständigkeit, mehr Selbstsicherheit und Selbstvertrauen. Zum anderen hilft das vorherige Kennenlernen und Zusammenarbeiten dabei, die Bedenken vieler Arbeitgeber zu zerstreuen, einen Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag mit einem Menschen mit geistigem Handicap abzuschließen“, betont Schiermeier.

Medaillengewinner: In der Freizeit schwimmt Philipp und nahm erfolgreich an Nationalen Spielen von Special Olympics teil. Dafür wurde er im März 2019 zusammen mit anderen Athleten von der Stadt Mannheim geehrt.
Medaillengewinner: In der Freizeit schwimmt Philipp und nahm erfolgreich an Nationalen Spielen von Special Olympics teil. Dafür wurde er im März 2019 zusammen mit anderen Athleten von der Stadt Mannheim geehrt.

„Sicherlich muss man sich vorher etwas mehr Gedanken machen, wo und wie man diese Menschen in den täglichen Arbeitsablauf integrieren kann. Und auch wir hatten die ein oder anderen Bedenken und waren unsicher, ob unser Plan tatsächlich so funktioniert“, erklärt Möller. „Wir wurden jedoch sehr positiv überrascht und haben schnell festgestellt, welche Begabungen und Kenntnisse Philipp hat.“ Zuerst erstellte er neue Ordnerrückenschilder und sortierte die Ordner neu. Dabei stellte sich bald heraus, dass Philipp sehr gute Kenntnisse in den Office-Programmen mitbrachte und sich auch im Internet sicher bewegen konnte. Das führte dazu, dass er diverse Listen erstellen durfte und dem KBR-Team bei der Vorbereitung der Betriebsräteversammlung und der Konzernjugendvertreterversammlung tatkräftig helfen konnte.

Einen Tag konnte Philipp auch in die Fachabteilung GIS Primärengineering (PGHV) in Mannheim reinschnuppern. Hier untersuchte der Schüler, betreut von CAD-Spezialist Richard Bornhoffer, mit Hilfe eines 3D-Viewers fehlerhafte 3D-GIS Modelle nach vorgegebenen Kriterien und listete die Ergebnisse in einer Tabelle auf.  

„Besonders hat sich Philipp auch jeden Tag auf unseren gemeinsamen Gang in die Kantine gefreut“, schmunzelt Möller. Sie zieht ein positives Fazit des Praktikums: „Wir haben es gewagt… und gewonnen. Und zwar auf beiden Seiten.“ 

Links

Kontaktieren Sie uns

Downloads

Diesen Artikel teilen

Facebook LinkedIn Twitter WhatsApp