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Dr. Martin Handreg, Projektleiter für Digital Mining bei ABB in Cottbus, und sein Team unterstützen bei der Entwicklung einer globalen Benchmark für Bergbau-Förderanlagen.

Herr Dr. Handreg, Sie sind seit Anfang 2018 Projektleiter für den Bereich Digital Mining  und arbeiten an einer Benchmark für die Bergbauindustrie. Worum geht es genau bei diesem Projekt und wie kam es dazu?

Die Braunkohleregion Lausitz befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Die Energiewende und der damit verbundene Strukturwandel verändern die Region nachhaltig. Bevor der geplante Braunkohleausstieg Realität wird, muss die bestehende Prozessindustrie im Bergbau verbessert und gleichzeitig etwas Neues auf die Beine gestellt werden. Bei ABB in Cottbus tun wir genau das. Wir entwickeln für die Bergbauindustrie datenbasierte Analysemethoden und Algorithmen mit Hilfe von Maschine Learning, um die Leistung von Förderanlagen zu verbessern und die zahlreichen Tagebau- und Schüttgutanlagen zu optimieren. Dabei ist es wichtig, langjähriges Know-how im Braunkohle-Tagebau zu nutzen und mit modernen Technologien stärker zu verknüpfen. Der Braunkohletagebau in der Lausitz hat eine lange Tradition. In der Lausitz hängen etwa 24.000 Arbeitsplätze mit dem Bergbau zusammen. Es gibt in der Region viele Spezialisten, funktionierende Zulieferketten, also eine regelrechte Bergbau-DNA, die es gilt zu bewahren und gleichzeitig weiterzuentwickeln. Die Lausitz ist bereits heute  im weltweiten Vergleich Spitzenreiter bei der  Automatisierung und Prozessoptimierung solcher Anlagen. Dafür nutzen wir reale Prozessdaten und entwickeln innovative Algorithmen.

Daher versuchen mein Team und ich mit Maschinellem Lernen und mit Künstlicher Intelligenz nicht nur die traditionelle , sondern auch eine zeitgemäße Version der Lausitzer Bergbau-DNA zu exportieren, um Bergbau-Anlagen weltweit in das Industrie 4.0 Zeitalter zu bringen.  Das Potential dafür ist sehr groß.  Wir entwickeln Algorithmen zur Identifikation von Optimierungspotential. Und später wollen wir auch Algorithmen liefern, um dieses Potential auch gleich mit zu erschließen. Wir arbeiten eng mit ansässigen Unternehmen, insbesondere der LEAG, zusammen. LEAG liefert das enorme Know-how beim Planen und Betreiben von Mining-Anlagen, das weltweit als Benchmark angesehen werden kann. Deshalb der Begriff Lausitzer Benchmark. Wir sind davon überzeugt, , dass „Data Mining“ und „Green Mining“ wichtige  Zukunftsthemen sind. Dieser Meinung ist übrigens auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, welches uns im Rahmen des WIR!-Programms eine Förderung gewährt, um diese Lausitzer Kompetenzen zu vermarkten und somit auch die Lausitzer Ingenieurskunst aufrecht zu erhalten. Die staatliche Förderung erleichtert uns unsere Arbeit natürlich – abgesehen vom bürokratischen Aufwand für unser Team und mich. (lacht)

Sie sprechen von Ihrem Team – wie setzt sich dieses Team für Ihre Forschungen zusammen?

Neben einem kleinen Kernteam bestehend aus Bergbau- und Softwareexperten, begleiten uns Studierende aus aller Welt über mehrere Monate, die Praktika oder Abschlussarbeiten in unserem Bereich absolvieren. Für Studenten ist diese Aufgabenstellung hochinteressant. Sie bringen moderne Analysetechniken und Algorithmen aus dem Studium mit und können diese an realen Daten testen und für unsere Anwendungsfälle adaptieren. Eine klassische Win-Win-Situation. Die Arbeit mit diesem jungen und wissbegierigen Team macht sehr viel Spaß.

Zwei von ihnen  haben direkt  nach ihrem Studium als Trainees bei ABB in Cottbus angefangen und begleiten uns nun auf einem spannenden Weg. Beide haben ihre Diplomarbeit bei ABB geschrieben. Die Mischung macht es aus: ein Team aus erfahrenen Experten ergänzt um junge Talente macht unseren Erfolg aus.

Das junge und wissbegierige Team um Dr. Martin Handreg.
Das junge und wissbegierige Team um Dr. Martin Handreg.

Was ist das Spannendste an diesem Projekt?

Auf der einen Seite haben wir den doch eher konservativ geprägten Bergbau, auf der anderen Seite einen regelrechten  Hype um Künstliche Intelligenz und Big/Smart Data. Die Kunst ist es, diese beiden Bereiche miteinander sinnvoll und bestmöglich zu verschmelzen. In einer  immer digitaleren Welt kann sich nur derjenige behaupten, der  neben innovativen Ideen auch agile Arbeits- und Entwicklungsmethoden hat. Wir können es uns nicht mehr leisten,  viele Jahre lang auf ein perfektes Produkt hinzuarbeiten. Eine  Idee von heute kann morgen  schon wieder alt sein. Deshalb wollen wir mit unseren entwickelten Ansätzen schnell an den Markt treten und gemeinsam mit den Kunden weiterentwickeln. Der Kunde spielt hier eine ganz zentrale Rolle. Neben diesen Bestrebungen ist es natürlich auch eine intrinsische Motivation, die  Lausitzer Bergbau-DNA mit Hilfe von  Algorithmen und digitalen Produkten aufrechtzuerhalten. „Made in Lausitz“ – schnell und kompetent, das klingt nicht nur super, sondern ist es auch!

Das klingt weniger nach  Konzern- als vielmehr nach Start-Up-Denken. Welche Vorteile ziehen Sie daraus, dass Sie dieses Forschungsprojekt gemeinsam mit ABB absolvieren?

Das ist richtig, teilweise herrscht bei uns im DataLab bei ABB in Cottbus eine gewisse Start-up-Atmosphäre. Unser Vorteil gegenüber einem klassischen Start-Up mit ähnlicher Ausrichtung ist allerdings die bereits bestehende  Basis und das vorhandene ABB Experten-Netzwerk mit ihrer umfangreichen Expertise.  Die Gewinnung von Daten ist um ein Vielfaches einfacher für uns, da beim Kunden oftmals schon ABB- Systeme installiert sind und ABB ein führendes Unternehmen für Systeme für die  Bergbauindustrie ist.  Das ermöglicht uns einen viel schnelleren Zugriff und Kundenzugang.

Welche Möglichkeiten sehen Sie für ABB in Zukunft durch dieses Projekt?

Aktuell liegt der Fokus im Bereich Bergbau. Wir versuchen mit unseren Algorithmen Optimierungspotential zu identifizieren. In Kombination mit unserem umfassenden Verständnis zur Auslegung und zum Betrieb von Tagebauanlagen (LEAG und ABB) wollen wir einen weltweit neuartigen Service anbieten. Wir hoffen natürlich, dass die innovativen Datenanalysen eine Art Türöffner für weitere ABB Produkte sind, um das identifizierte Optimierungspotential auch zu erschließen. Das wir diesen neuen Weg gehen dürfen und den zukünftigen Mining-Markt mit all seinen Herausforderungen (CO2 Footprint, Green Mining) richtungsweisend mitbestimmen wollen, zeigt wiedermal, dass sich ABB als digitaler Pionier versteht.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Handreg, und weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Forschungsarbeit!

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