Hybrid-Wartungsfahrzeuge helfen Österreichs Bahnen bei der Dekarbonisierung

Hybrid-Wartungsfahrzeuge helfen Österreichs Bahnen bei der Dekarbonisierung

Die von Plasser & Theurer hergestellten Instandhaltungsfahrzeuge werden die CO2- und Lärmemissionen reduzieren, die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz verbessern und die Produktivität der Eisenbahninstandhaltungsbetriebe in Österreich steigern.

Der Schienenverkehr ist mit Abstand umweltfreundlicher als andere Verkehrsmittel. In Österreich streben die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) einen nachhaltigen Betrieb an und betreiben ihre Züge und Bahnhöfe mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Ihr Ziel ist ein klimaneutraler ÖBB-Mobilitätssektor bis 2030 und eine konzernweite Klimaneutralität bis 2050.

Da die Eisenbahn eine kritische Infrastruktur darstellt, muss sie gewartet werden, um ein Höchstmaß an Sicherheit, Zuverlässigkeit und Effizienz zu gewährleisten. Für die Inspektion und Wartung der Gleise, Oberleitungen und des Oberbaus werden spezielle Schienenfahrzeuge benötigt, die bisher mit Dieselmotoren betrieben wurden. Die Instandhaltungsflotte der ÖBB ist seit rund 40 Jahren im Einsatz und wird nun schrittweise ersetzt.

Innovative Hybridfahrzeuge

Als die ÖBB beschlossen, ihre alternde Instandhaltungsflotte zu erneuern, bestellten sie innovative Hybridfahrzeuge, die ihren Übergang zur Klimaneutralität unterstützen werden. Die neuen Fahrzeuge werden von Plasser & Theurer, einem führenden Hersteller von Gleisinfrastrukturfahrzeugen, geliefert.

Plasser & Theurer arbeitet seit rund zehn Jahren mit ABB bei Antriebssystemen zusammen und entschied sich für ABB als Lieferant von hochmodernen Traktionsumrichtern und Hochleistungs-Lithium-Ionen-Batterien für 51 Fahrzeuge. Der Vertrag mit ABB beinhaltet eine Option zur Lieferung von Traktionsausrüstung für weitere 45 Fahrzeuge.

Verbesserte Arbeitsbedingungen

Die Hybrid-Wartungsfahrzeuge werden die CO2-Emissionen an den Einsatzorten auf ein Minimum reduzieren und zudem die Arbeitsbedingungen verbessern. Durch den emissionsfreien Betrieb im Batteriebetrieb können Wartungsarbeiten in Tunneln durchgeführt werden, ohne dass das Personal Abgasen ausgesetzt ist. Auch die Anwohner von Bahnstrecken werden einen positiven Unterschied bemerken, wenn Arbeiten in der Nähe ihrer Häuser durchgeführt werden.

Die neuen Fahrzeuge werden im gesamten österreichischen Schienennetz eingesetzt, um eine rasche Verfügbarkeit bei unerwarteten Störungen zu gewährleisten. Sie werden auch einen Beitrag zu den Bahninfrastrukturprojekten der ÖBB leisten, darunter die 130 Kilometer lange Hochleistungsstrecke Koralmbahn sowie der Semmering-Basistunnel, durch den Züge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 230 km/h fahren können.

Edgar Keller, Leiter der Division Traktion von ABB, sagte: "Wir sind stolz darauf, von Plasser & Theurer als zuverlässiger Partner für Traktions- und Batterietechnologie ausgewählt worden zu sein. ABB verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich elektrischer und hybrider Antriebslösungen, kombiniert mit langjähriger Erfahrung mit Batteriespeichersystemen in einer Vielzahl von Anwendungen. Der Einsatz der leistungsstarken und langlebigen Batterien von ABB ermöglicht einen schnellen Übergang zu einem nachhaltigeren Betrieb und verbessert die Gesundheit und Sicherheit des Wartungspersonals."

  • © Plasser & Theurer, 2022-2023
  • © Plasser & Theurer, 2022-2023
  • © Plasser & Theurer, 2022-2023

Leistungsstarke Traktionsausrüstung

Die neuen Wartungsfahrzeuge werden mit der 15-kV-16,7-Hz-Wechselstrom-Oberleitung des Schienennetzes betrieben und können im vollelektrischen Betrieb mit Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h fahren. Wenn der Strom aus der Oberleitung nicht zur Verfügung steht - zum Beispiel auf neuen Streckenabschnitten oder aufgrund von Störungen - ermöglicht die leistungsstarke ABB - Traktionsbatterie den elektrischen Betrieb. Die Batterie basiert auf der LTO-Technologie und ist besonders für Hybridantriebslösungen geeignet. Zu den Vorteilen gehören ein hohes Maß an inhärenter Sicherheit, hohe Leistung und Schnellladefähigkeit, lange Lebensdauer und hervorragende Leistung bei niedrigen Temperaturen.

Die flexible Umrichtertechnologie von ABB ermöglicht es, die für den Baustellenbetrieb verwendete Bordbatterie auf drei verschiedene Arten aufzuladen: über die Oberleitung, durch regeneratives Bremsen und über ein dieselelektrisches Notstromaggregat. Der Dieselmotor verlängert die Reichweite des Fahrzeugs, wenn die Oberleitung über einen längeren Zeitraum nicht zur Verfügung steht oder im Notfall. Die Energiespeicherung an Bord ermöglicht eine Verkleinerung des Dieselmotors und einen längeren Betrieb mit optimalem Wirkungsgrad.

Eine Herausforderung bei diesem Projekt war die Integration der verschiedenen hybriden und vollelektrischen Betriebsarten sowie die Unterbringung der Antriebskomponenten - einschließlich Wechselrichter, Batterien und Transformatoren - auf dem verfügbaren Bauraum. Experten von ABB unterstützten Plasser & Theurer und halfen, diese Herausforderungen zu meistern. Die von ABB entwickelte Batteriesystemtechnik erwies sich als wesentlich, um die notwendigen Sicherheitsanforderungen zu erfüllen.

Verbesserte Wartungsproduktivität

Das geräuscharme Antriebssystem von ABB ermöglicht Wartungsarbeiten in der Nacht und in dicht besiedelten städtischen Gebieten ohne Lärm oder Abgase. Dies bietet die Möglichkeit, die Produktivität der Wartungsarbeiten zu verbessern.

Die ÖBB haben mit Plasser & Theurer das erste der neuen Fahrzeuge im Juni 2023 vorgestellt. Mehrere Fahrzeuge befinden sich derzeit im behördlichen Zulassungsverfahren für den Einsatz auf dem Schienennetz. Getestet wird unter anderem der Betrieb bei Temperaturen von bis zu -25°C und bis zu +45°C sowie Fahrten mit Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h.

Die Bahn ist schon heute umweltfreundlicher als der Straßen- oder Flugverkehr und wird durch Initiativen wie das ÖBB-Ziel der Klimaneutralität noch nachhaltiger werden. Die Hybridfahrzeuge von Plasser & Theurer mit ABB-Traktionsausrüstungen werden es den Instandhaltungsbetrieben ermöglichen, den Kohlendioxidausstoß zu verringern und auf einen saubereren und sichereren elektrischen Betrieb umzustellen.

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