Herr Lau, Sie sind seit Mai Vertriebsleiter in der neuen Geschäftseinheit Industrial Automation Energy Industries. Was bringen Sie für diese neue spannende Aufgabe mit und welche Branchen betreut diese neue Einheit?
Ich bin seit über 30 Jahren in der Prozess- und Fabrikautomation tätig und habe in dieser Zeit für verschiede Konzerne und auch mittelständische Unternehmen im Vertrieb gearbeitet. In den letzten 15 Jahren habe ich für die B&R als Vertriebsleiter und Leiter Competence Center Prozess- & Fabrikautomation den Markt für das B&R Prozessleitsystem APROL erfolgreich aufgebaut. Da wir bei der B&R in diesem Geschäftsbereich immer die Herausforderer waren, ist es mir mit meinem Team gelungen durch Teamgeist, Beharrlichkeit und Fachwissen die Kunden zu überzeugen. Diesen Spirit bringe ich nun mit in die neue Aufgabe und freue mich ein Teil der neuen ABB zu sein.
Im Geschäftsbereich Industrieautomation wird es ab sofort die neue Geschäftseinheit Energy Industries (IAEN) geben, in der die bisherigen Geschäftseinheiten Stromerzeugung und Wasser, Öl und Gas, Chemie, Pharma und unser Channel-Partner- bzw. Produktvertrieb zusammengeführt sind. Mit diesem Schritt stärkt ABB seine Position als Technologieführer in der Digitalisierung und in einem sich global ändernden Energiemarkt. Dadurch können wir unsere Kunden in Zukunft optimaler und noch innovativer unterstützen, um einen sicheren, wirtschaftlichen, zuverlässigen und energieeffizienten Anlagenbetrieb zu sichern.
Welche Änderungen ergeben sich für unsere Kunden aus dieser Neuaufstellung des Geschäftsbereiches Industrieautomation?
Die Geschäftseinheit Energy Industries vereint in einer kundenorientierten, agilen Struktur tiefes Branchen- und Fachwissen, Automatisierungskompetenz, Systemintegration und einen direkten Zugang zu innovativen Technologien und Lösungen. Somit steht unseren Kunden das bewährte und bekannte Liefer- und Leistungsportfolio weiterhin uneingeschränkt zur Verfügung. Unsere bisherigen Geschäftsbeziehungen bleiben unverändert bestehen. Die aktuellen LifeCycle Aussagen zu den ABB Prozessleitsystemen behalten ihre Gültigkeit und bilden weiterhin einen hohen Investitionsschutz für die Anlagen. Die bekannten Ansprechpartner stehen weiterhin gerne zur Verfügung.
Herr Lau, Sie waren viele Jahre bei B&R (Bernecker + Rainer Industrie-Elektronik GmbH) tätig. Wie profitieren unsere Kunden durch die Übernahme von B&R durch ABB im Bereich der Industrieautomation?
Mit der Übernahme hat ABB ihre führende Rolle in der Industrieautomation ausgebaut und ist ideal positioniert, um die Wachstumschancen der Vierten Industriellen Revolution zu nutzen. Zudem stärkt ABB damit ihr Digitalangebot substanziell: Die Kombination bringt das branchenführende ABB-Portfolio an Digitallösungen, ABB Ability, mit B&Rs Anwendungs- und Softwareplattformen, seiner großen installierten Basis, dem erweiterten Kundenzugang und den maßgeschneiderten Automationslösungen zusammen. Wir passen perfekt zusammen: ABB ist nun das einzige Unternehmen, das seinen Industrieautomationskunden das gesamte Spektrum an Technologie- und Softwarelösungen rund um Mess- und Steuerungssysteme, Antriebe, Robotik, Digitalisierung sowie Elektrifizierung anbietet.
Welche Trends gibt es in der Prozessautomatisierung generell?
Dank der Prozessautomatisierungstechnik laufen mittlerweile viele Prozesse effektiver und damit sind die Unternehmen wettbewerbsfähiger, leistungsfähiger und erfolgreicher geworden. Bedenkt man, dass in der Chemieindustrie lediglich 10 % der Kosten für Personal anfallen, dafür aber je 35 % für Rohstoffe und Energie, liegt es nahe, dass der Schlüssel für den erfolgreichen Betrieb im Prozess selbst liegt. Hier gilt es, Rohstoff- und Energieverbrauch sowie Ausschussware zu reduzieren, die Ausbeute zu erhöhen und die Produktion nach vorgegebenen Produkteigenschaften zu steuern. Und dies gelingt nur, wenn man in der Lage ist, die Prozesse exakt zu regeln und die Stillstandszeiten zu reduzieren. Die technologischen Möglichkeiten, um Informationen zu messen, zu verarbeiten und zu speichern haben sich rasant weiterentwickelt: Aktuell geht der Trend zu immer mehr Flexibilität, die z.B. die modulare Automation bietet. Modulare Prozessanlagen verfügen über vorautomatisierte, modulare Einheiten, die einfach hinzugefügt, angeordnet und an die Produktionsanforderungen angepasst werden können. Prozessleitsysteme werden dann zu Orchestrierungssystemen, die den Betrieb der modularen Einheiten steuern. Dies wird durch das Module Type Package (MTP) erreicht, eine standardisierte Methode, die die Interoperabilität zwischen allen Modulen und Orchestrierungssystemen ermöglicht.
Ein weiteres spannendes Thema, das für profitable Chargenprozesse essentiell ist, ist die reproduzierbare Qualität. Hier werden Überwachungssysteme und Analysewerkzeuge benötigt, um sicherzustellen, dass eine konsistente Qualität aufrechterhalten wird. Mit ABB AbilityTM BatchInsight bietet ABB ein Analysetool an, das frühzeitig Anomalien in Chargenprozessen erkennt und identifiziert. Es unterstützt Prozessspezialisten und Anlagenbetreiber bei der Analyse ihrer chargenorientierten Prozessabläufe. Die zeitbasierte Chargenanalyse erkennt den Zeitpunkt des Auftretens der Abweichung und hebt die Prozessvariablen hervor, die zur Abweichung beigetragen haben. Dadurch werden effektive und zeitnahe Korrekturmaßnahmen ermöglicht.
Wie helfen die ABB AbilityTM Produkte unseren Kunden?
Mit ABB AbilityTM bündeln wir das gesamte Portfolio an digitalen Lösungen und Services und lassen auf Daten Taten folgen. Wir beschränken wir uns nicht darauf, Prozess- und Anlagendaten zu messen und auszuwerten. ABB geht einen Schritt weiter und schließt den Kreis – wir speisen Erkenntnisse zurück, um Prozess und Anlage entsprechend zu optimieren. Nehmen wir zum Beispiel ungeplante Anlagenstillstände. Meist gibt es dafür lediglich drei zentrale Ursachen: Bedienerfehler, Probleme mit großen rotierenden Maschinen, etwa Pumpen oder Kompressoren, und Unterbrechungen in der Energieversorgung. Gezieltes Anlagenmonitoring erkennt rechtzeitig, wann Wartungsbedarf besteht oder die Betriebsweise angepasst werden muss. Das Potenzial ist enorm: Allein in der petrochemischen Industrie kosten ungeplante Stillstände jedes Jahr 21 Milliarden Dollar, sodass Investitionen in diesem Bereich typischerweise extrem lohnenswert sind.
Herr Lau, wir wünschen Ihnen viel Erfolg in der neuen Funktion und bedanken uns herzlich für das Gespräch.