Von Klingnau bis ins All

Mit 100 Jahren Erfahrung gehört ABB Kunststofftechnik zu den Isolationsspezialisten innerhalb von ABB.

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Am Standort Klingnau produziert, entwickelt und prüft diese ABB-Einheit Materialien detailgenau auf Passform und Qualität. Neben ABB als interne Kundin, setzen weltweit Kunden aus dem Energiesektor, der Verkehrs- und Raumfahrt auf ihre Komponenten und Kompetenz.

ABB Kunststofftechnik hat sich auf die Produktion von Elektroisolationsteilen für den Hochspannungs- und Niederspannungsbereich spezialisiert. Diese werden in Schaltschränken, Hochspannungsschaltern, Transformatoren und Turbogeneratoren eingesetzt und bestehen vorwiegend aus Kunststoffplatten, die mit Glasfasern verstärkt sind. «ABB und die externen Kunden kommen mit sehr individuellen Wünschen für die Isolation ihrer Produkte zu uns. Eine automatische Fertigung kommt für sie nicht in Frage», meint Wilhelm Liebl, Leiter Kunststofftechnik ABB Schweiz. Genau hier spiele dann das jahrelange Wissen eine grosse Rolle. «Unsere Mitarbeitenden haben ein grosses Material-Know-how. Dieses Wissen stellen wir gerne allen zur Verfügung. Wir beraten, testen und unterstützen bei Neuentwicklungen.»

Isolationskompetenz seit 1918

Im Jahr 1918 wurde das Unternehmen MICAFIL in Altstetten gegründet, was bald darauf vollständig von BBC übernommen wurde. Seitdem werden Materialien bearbeitet, beschichtet, geprüft und weiterentwickelt, um eine optimale Isolation zu erreichen. Nach dem Zusammenschluss der Abteilung Kunststofftechnik der UNIFER und der Abteilung Generatorisolation MICAFIL aus Altstetten in Zürich im Jahr 2010, entwickelte das Team den Standort Klingnau und das Angebot kontinuierlich weiter.

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Heute arbeitet die ABB Kunststofftechnik auf Basis von 100 Jahre MICAFIL-Technologie mit grundlegender Erfahrung im Bereich der Isolation und stellt individuell gefertigte Produkte her. Rund 45 Personen arbeiten am Standort in Klingnau. Zur Nachwuchsförderung werden derzeit fünf Lehrlinge ausgebildet.

Hochpräzise Maschinen

Für die Herstellung und mechanische Bearbeitung der Materialien stehen der Einheit diverse hochpräzise Maschinen zur Verfügung. Jedes Jahr werden zehntausende Meter Nut-Kanäle in L- und U-Formen und spezielle, besonders spannfähige Keile produziert. Erst kürzlich wurde eine spezielle Feder mit einzigartiger Form angefertigt und nun an externe Kunden verkauft. «Kunden bestellen wegen der Qualität, auch wegen der Flexibilität, der Individualität und kurzfristigen Lieferung. Für Express-Anfragen sind wir sehr gut ausgerüstet, was ausgesprochen geschätzt wird. Ein Kraftwerk darf schliesslich nicht lange stillstehen», erklärt Rudi Velthuis, Entwicklungsingenieur Kunststofftechnik ABB Schweiz.

In der Verkleidung der Rakete Ariane verbaut

ABB Kunststofftechnik liefert dabei weltweit, von der Schweiz bis nach Japan an langjährige Kunden. Neben der Energieübertragung und -erzeugung sowie Elektronik werden die ABB-Produkte auch in Branchen wie der Bahn- und Luftfahrtindustrie und auch in der Raumfahrttechnik geschätzt. So stecken beispielsweise diverse präzise angefertigte Verstärkungsteile in der Nutzlastverkleidung der europäischen Weltraumrakete Ariane.

Gefragte Erfahrung bei Innovationen

Die langjährige Erfahrung ist auch noch bei Renovationen von alten Kraftwerken gefragt, bei der heute zum Teil noch Handzeichnungen hinzugezogen werden müssen, um die damaligen Teile wieder herzustellen. Dafür gibt es einen ganzen Bestand an alten archivierten Zeichnungen nicht mehr gefertigter Generatoren oder Grosselektromotoren der früheren BBC. «Früher haben wir sogar Maschinen hergestellt. Teilweise bekomme ich heute noch Anrufe, ob eine bestimmte Maschine, die wir früher noch hergestellt haben, oder eine Isolierkomponente noch verfügbar ist», so Wilhelm Liebl.

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Die Technikabteilung ist darauf spezialisiert neue Materialien und Bauteile unter spezifischen Kundenanforderungen zu analysieren und zu entwickeln. «Die individuellen Materialien und Komponenten müssen an die entsprechenden Produkte und an die mechanischen, thermischen und elektrischen Bedingungen angepasst werden. Auch die Umgebungseinflüsse müssen wir berücksichtigen», erklärt Rudi Velthuis. Nach neuneinhalb Jahren im Forschungszentrum von ABB ist Rudi Velthuis bei ABB Kunststofftechnik in der Technik-Gruppe verantwortlich für neue Produktentwicklungen und das Überprüfen der Ware in den hauseigenen Prüfanlagen.

Eigenes Prüflabor

Durch das Wissen um die Kombination unterschiedlicher Verfahren und Materialien finden sie für alle Anfragen die passende Lösung. «In den Produktbereichen gibt es sehr enge Toleranzen, hier muss die individuelle Passform und die Isolation exakt passen, um schwerwiegende Folgen zu vermeiden. Unsere eigenen Prüfanlagen sind da ein unabdingbarer Qualitätsgarant. Heutzutage hat kaum noch jemand ein eigenes Prüflabor, wodurch unsere Prüfanlagen und Kunststoffkompetenzen auch für andere ABB-Einheiten zum Einsatz kommen.»

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So wird jeder Satz Isolationskomponenten, jeder Nut-Kanal und auch jedes Spezialprodukt intensiv geprüft. Dabei bedienen sie sich modernster Entwicklungstools und arbeiten mit dem Forschungszentrum innerhalb der ABB zusammen. Derzeit arbeiten sie auch an einer Kooperation mit dem Department für Kunststofftechnik an der Fachhochschule Nordwestschweiz zusammen, um über Forschungs- und Studierendenprojekte gemeinsame Erkenntnisse über Materialien zu gewinnen. Mit der Hochschule in Luzern (HSLU) werden ebenfalls Studierendenprojekte durchgeführt.

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