50 Jahre forschend voran

Seit einem halben Jahrhundert bringt das Konzernforschungszentrum in Baden-Dättwil bahnbrechende Innovationen hervor. Zeit für einen Rückblick.

Wie alle guten Geschichten, beginnt jene des Forschungszentrums in Baden-Dättwil mit einem visionären Menschen: Ambors Speiser; eine Legende der Schweizer Forschungshistorie. BBC, das Vorgängerunternehmen von ABB, betreute den Wissenschaftler, der in den 1950er Jahren den Bau des ersten Computers in der Schweiz leitete, mit der Aufgabe, die technische Zukunft des Unternehmens zu sichern. So wurde Speiser in den 1970er Jahren Forschungsdirektor bei BBC und organsierte die Konzernforschung neu.

Ambros Speiser © ABB Archiv
Ambros Speiser © ABB Archiv

Brücke zwischen Theorie und Praxis

Natürlich forschte BBC auch vor der Geburtsstunde des Dättwiler Forschungszentrums im Jahr 1967. Aber mit dem Aufbau des Zentrums sollte die Forschung in einem Campus zusammengefasst werden, um koordiniert über die Disziplinen hinweg die Brücke zwischen der reinen Grundlagenforschung an den Universitäten und der Produkteentwicklung zu schlagen.

Querbeblasener Bogen, Frühjahr 1977 © ABB Archiv
Querbeblasener Bogen, Frühjahr 1977 © ABB Archiv

Unter der Ägide von Speiser wurde das Forschungszentrum auf der sprichwörtlichen grünen Wiese aufgebaut. Dessen offizieller Eröffnung 1973 wohnten Bundesrat Tschudi sowie 150 prominente Gäste aus Politik und Wirtschaft bei. Zu dem Zeitpunkt hatte Speiser bereits ein Forschungsteam von rund 150 Männern und über 20 Frauen rekrutiert. Bei den Forschungsprogrammen kam es nicht nur auf die spätere praktische Anwendbarkeit, sondern auch auf die wissenschaftliche Bedeutung an.

Werkstatt des Forschungszentrums, Frühjahr 1977 © ABB Archiv
Werkstatt des Forschungszentrums, Frühjahr 1977 © ABB Archiv

Frühe Forschungserfolge und Schwerpunkte

Die Fachleute in Dättwil konnten bald Forschungserfolge feiern. So wurde hier ab den 1970ern das Selbstblasprinzip (Löschen des Lichtbogens ohne externe Energiezufuhr) für Hochspannungs-Schaltanlagen erarbeitet, das heute bei allen Herstellern das meistgenutzte Konzept ist. In den 1980ern erzielte das Konzernforschungszentrum mit der Erfindung der «super-twisted nematic LCD» einen Durchbruch im Bereich der Flüssigkristallanzeigen, der erst die Herstellung grosser Displays ermöglichte. Die produzierte das Unternehmen nicht selbst, sondern liess sich von anderen Herstellern in Lizenz die Patentrechte darauf vergüten.

Ein wichtiger Fokus lag stets auf den Leistungshalbleitern – und generell auf der Leistungselektronik. So wurden hier die Grundlagen für Leistungshalbleiter und deren Einbindungen in Module wie «StakPak» geschaffen, die heute das Herzstück für Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungssysteme weltweit bilden.

Spitzenforschung im Grünen: Seit einem halben Jahrhundert bringt das Konzernforschungszentrum in Baden-Dättwil bahnbrechende Innovationen hervor © ABB
Spitzenforschung im Grünen: Seit einem halben Jahrhundert bringt das Konzernforschungszentrum in Baden-Dättwil bahnbrechende Innovationen hervor © ABB

Wie in der Forschung üblich, gab es auch Bereiche, die schliesslich keine marktfähigen Produkte zeitigten. Manchmal war einfach die Zeit noch nicht reif. Das zeigt das Beispiel der Forschung zu Siliziumkarbid-Leistungshalbleitern, die bei ABB schon einmal eingestellt wurde, da die aus diesem Material hergestellten Halbleiter die nötige Zuverlässigkeit nicht erreichten.

Forschung für die Zukunft

Das ist heute anders. PEARL – Power Electronics Advanced Research Lab – wurde 2014 in Dättwil in Betrieb genommen. Hier werden Leistungshalbleiter, Module und Anwendungen der nächsten Generation erforscht, primär auf Basis von Siliziumkarbid. Ein verheissungsvolles Forschungsfeld.

Einblick in den Reinraum im PEARL © ABB
Einblick in den Reinraum im PEARL © ABB

Auch zur Automatisierung und insbesondere der Digitalisierung – unter dem Schirm von ABB Ability – wird in Dättwil eifrig geforscht, sei es zu Aspekten von Echtzeitsystemen, zu Systemarchitektur oder Cyber Security.

Natürlich liegt auch in den Forschungsbereichen Energie und Werkstoffe sowie energietechnische Produkte und Systeme noch viel Potenzial für zukunftsträchtige Lösungen. Wie sich die in den kommenden Jahrzehnten gestalten werden, lässt sich nicht seriös prognostizieren. Sicher ist einzig, dass weitere Generationen von ABB-Wissenschaftlerinnen und –Wissenschaftlern mit Enthusiasmus, Pioniergeist und Neugier daran arbeiten werden – wie es ihre Vorgänger in den vergangenen 50 Jahren bereits getan haben.

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Forschung und Entwicklung bei ABB

Bei ABB arbeiten weltweit rund 8200 Wissenschaftler und Ingenieurinnen in Forschung und Entwicklung. Nebst jenem in Baden-Dättwil betreibt ABB Konzernforschungszentren in Ladenburg (Deutschland), Västeras (Schweden), Krakau (Polen), Bangalore (Indien) und, jeweils auf zwei Standorte aufgeteilt, in Raleigh und Windsor (USA) sowie Beijing und Shanghai (China). Mit über 200 Mitarbeitenden ist das Schweizer Konzernforschungszentrum das grösste im Verbund.

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Mit einem Mitarbeiterfest wurde das Jubiläum bereits gefeiert © ABB
Mit einem Mitarbeiterfest wurde das Jubiläum bereits gefeiert © ABB

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