Einfühlsame Roboter, sprechende Spiegel oder Kopfhörer, die automatisch übersetzen – die KI dringt mehr und mehr auch in die elektronischen Geräte für Endverbraucher vor. Algorithmen werden für unser vernetztes Leben immer wichtiger. Laut Marktforschern sind die Verkaufszahlen von intelligenter Elektronik im Jahr 2018 um 27 Prozent gewachsen. Bis 2022 werden jährlich gut zweistellige Zuwachsraten prognostiziert.
Google, Amazon und Alibaba
Die Gewinner des Vormarschs der KI heißen bislang Google, Amazon und Alibaba. Die Internetkonzerne aus den USA und China entwickeln KI und besitzen die besten Plattformen zur Steuerung des vernetzten Zuhauses, von Autos oder von Büros. Hinzu kommt, dass China staatlicherseits ein Vielfaches dessen in KI investiert, was andere Nationen für diesen Zweck aufbringen. Allmählich wächst aber in Deutschland und Europa das Bewusstsein für die Problematik, bei KI-Anwendungen auf die Internetriesen angewiesen zu sein.
Chancen für deutsche Wirtschaft
Nicht zuletzt die im November 2018 vorgestellt Digitalstrategie der Bundesregierung zeigt, dass sich auch in Deutschland die Dinge beginnen, sich zu bewegen. „Während der internationale Wettbewerb sich stark auf Anwendungen für Privatkunden fokussiert, bieten sich insbesondere im industriellen Umfeld noch große Chancen für Deutschland“, stellt Marco Ulrich, Abteilungsleiter für Software und Software-Anwendungen am ABB Forschungszentrum in Ladenburg, fest.
Um diese Chancen wahrzunehmen, entwickelt ABB seit längerem KI-Kompetenzen in vielen Geschäftsbereichen und will dieses Feld zukünftig stark ausbauen, auch in Zusammenarbeit mit Partnern. ABB kooperiert in Deutschland mit der universitären Forschung, insbesondere dem KIT in Karlsruhe, der TU Darmstadt und der TU Dresden. Basis für die rasante Entwicklung auf dem Gebiet der KI sind zwei Errungenschaften: „Während die heute genutzten Algorithmen zum Teil schon länger bekannt sind, ist ihre Anwendung erst jetzt vielversprechend. Erstmals in der Technikgeschichte stehen uns die notwendigen Rechenleistungen zur Verfügung und es existieren validierte Daten als Input“, sagt Marco Ulrich. Grundsätzlich bedeutet KI nicht eine einzige Lösung, sondern umfasst eine ganze Reihe von Technologien. Maschinen mit KI besitzen Fähigkeiten, die menschlicher Intelligenz ähnlich sind. Trotz dieser spannenden Vorstellung schränkt Marco Ulrich ein: „KI ist ein Methodenbaukasten, sie stellt ein technisches Werkzeug dar, um eine gewisse Autonomiestufe zu erreichen und das System weiterzuentwickeln. Es wird aber nicht möglich sein, menschliche Intelligenz komplett zu ersetzen.“
Menschliches Potenzial erweitern
„Es ist absehbar, dass autonome Systeme und industrielle KI die Arbeit revolutionieren werden“, erklärt Marco Ulrich. „Aber sie werden dies nicht tun, indem sie Menschen ersetzen, sondern indem sie die menschlichen Fähigkeiten verstärken und unser Potenzial erweitern.“ In der Fabrik der Zukunft werden autonome Systeme die Betreiber dabei unterstützen, rechtzeitig bessere Entscheidungen zu treffen. Dadurch wird das Fachpersonal von alltäglichen, sich wiederholenden Aufgaben befreit und kann sich auf höherwertige Tätigkeiten konzentrieren. Zudem wird die Betriebsführung von Anlagen und Fabriken sicherer und Prozesse können optimiert werden. „In naher Zukunft werden Menschen und autonome Systeme zusammenarbeiten, wobei der Mensch die endgültige Entscheidung trifft.“, so Marco Ulrich.
Starke Projekte auf der KI-Landkarte
ABB ist bereits mit fünf Vorzeigeprojekten auf der KI-Landkarte der Plattform Lernende Systeme, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung 2017 initiiert hat, vertreten:
- Intelligente Serviceleistungen aus dem ABB Ability™ Collaborative Operations Center durch lernende Algorithmen in Verbindung mit Expertenwissen zur Prozessteuerung
- Zustandsüberwachung und vorausschauende Wartung rotierender Betriebsmittel in der Prozessindustrie durch drahtlose Sensorik und maschinelles Lernen
- Industrial Knowledge Assistant: Digitale Assistenz zum autonomen Anlagenbetrieb durch maschinelles Lernen auf der Anlagenhistorie
- Marine Pilot Control: Dynamisches Positionierungssystem für die Schifffahrt mit automatisierten Navigationsaufgaben
- Connected Services: Fernüberwachung von Robotern mit Anomalieerkennung und Bewertung von Live-Daten Ressourcen nutzen, Welt nicht verbrauchen